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Kampen auf Sylt: Buhne 16

Buehne 16
Buehne 16

Der berühmteste Strand Deutschlands damals und heute

Damals war’s, in den guten alten Zeiten, so Ende der 50er Jahre, Anfang der 60er Jahre. Die Republik hatte sich gerade wieder von den Kriegsfolgen berappelt, und auf Sylt kam der Tourismus wieder in Schwung. Natürlich war die Prominenz ganz vorn dabei. Abends wurde in Kampen gefeiert, tagsüber am Strand gebraten. Aber nicht an irgendeinem, sondern nur an Buhne 16. Denn hier konnte man die Hüllen fallen lassen, sich nackt im Sand aalen, sich sogar textilfrei in die Brandung stürzen. Das war alles andere als selbstverständlich damals an deutschen Küsten. Reiche, Schöne und Schickis demonstrierten ihre freie Einstellung, ihr "Anderssein". So mancher altgewordene Kampener Dauergast erinnert sich heute wehmütig an "damals": Man fuhr noch mit der Inselbahn Richtung List, der Schampus floss unterwegs, die Stimmung stieg.

Und dann war da noch Herbert, der Parkplatzwächter an Buhne 16. Er hatte alles unter Kontrolle, reservierte für wenige die erste Reihe, für andere die zweite, und der Rest musste am weitesten laufen. Hier parkten sie alle, zahlten ihren Obolus und plauderten eine Runde. Konzernlenker, Industriebosse und Promis hockten sich mit einer Buddel Bier in einen wackeligen Campingstuhl und philosophierten mit Herbert über Gott und die Welt. Auf der Suche nach dem einfachen Leben und den einfachen Wahrheiten.

Und heute? An einem beliebigen Juliwochenende kann der neugierige Tourist locker ein gutes Dutzend Porsches, ein halbes Dutzend Mercedes Cabrios und den einen oder anderen Ferrari auf besagtem Parkplatz sehen. Aber frage niemals, wo der Fahrzeugbrief liegt, bei der Bank oder zu Hause. Viel zu viele Möchtegerns kommen im Miet-Porsche und lassen für ein Wochenende die Sau raus. "Traue niemals einem Ferrari-Fahrer, es sei denn, du kennst ihn seit 10 Jahren", so lautet eine der ungeschriebenen Kampen-Regeln. Echte "Kampianer" verziehen sich diskret hinter ihre millionenteuren Friesenhäuser.

Noch immer zieht es alle zur Buhne 16. Kampen lebt heute von dem Mythos vergangener Tage. Immer noch kommen Promis und Wohlhabende, aber immer mehr mischen sich auch andere darunter, junge, forsche "Immer-dabei’s" und sonst wer. Buhne 16 heute- ein Strandabschnitt wie viele andere eben auch, beinahe jedenfalls.

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Dies ist ein Auszug aus dem Buch:

Sylt

Sylt

Komplett in Farbe, 90 Fotos, 17 detaillierte Karten, Register, Griffmarken, 288 Seiten weitere Informationen ->

5. Auflage 2008
10.50 Euro