Ein Atelier am Meer auf Langeoog
Die angenehmste Nebenbeschäftigung: Bei Anselm das Malen lernen
Oben auf der Höhenpromenade, jenseits des Wasserturms und nahe der alten Strandhalle, liegt das „Atelier am Meer“. In ihm waltet einer der prominentesten Wahlostfriesen unserer Tage, nämlich der 1943 in Tegernsee gebürtige Kunstmaler Anselm Prester.
Schon als jungen Mann hatte es den Bayern (durch Heirat) auf die Insel verschlagen. Er stellte sich dort bald als Künstler auf eigene Beine und schwang sich im Lauf der Jahre zu einer insularen Kultfigur empor, die im Ostfriesischen Archipel ihresgleichen sucht. Und zwar nicht nur als berühmter Maler, sondern auch als Lehrmeister einer höchst eigenen Malschule, in der jedermann und -frau willkommen ist und (gegen einen Obolus) zum Künstler mutieren kann. Das Atelier am Meer genießt ansehnlichen Zuspruch. Eleven im Alter von 6 bis über 90 Jahre haben an Anselms Kursen teilgenommen, und einige haben dort verborgene Talente entdeckt, die zu interessanten Karrieren führten.
Der Meister nennt sich nur „Anselm“. Das ist gleichzeitig Vorname und Produktlogo, und es lockert die Atmosphäre im Studio auf, wenn sich jedermann duzt. Anselm vermittelt seinen Klienten zwar die Techniken, die zu gelungenen Bildern führen. Mehr noch möchte er aber in einem Zeitalter, in dem alles nur noch gekauft und kaum etwas Schönes selbst produziert wird, die Freude am Malen, am Erschaffen eigener Werke wecken. An der „Heilkraft der Kunst“ ist schon etwas dran, glaubt Anselm, der manchen Kunden selig von dannen ziehen gesehen hat. Der Künstler selbst gibt ein glänzendes Beispiel für diese Theorie ab. Der Langeooger aus Bayern ist im Einklang mit sich selbst und seiner Umwelt; er harmoniert mit der insularen Natur, und er malt „fröhliche“ Bilder und modelliert lustige Skulpturen: Clowns sind sein liebstes Motiv, Figuren, die einen zum Lachen bringen. In der Disharmonie des von der wahren Welt entfremdeten Menschen sieht Anselm das größte Unglück unserer Zeit. Es versteht sich, daß ein Künstler von seinem Kaliber keine grellen, eckigen, poppigen, häßlichen Werke liebt, die lediglich Trenddiktaten folgen und eines Tages im Zivilisationsmüll landen. Ein blaues Quadrat mit einem weißen Klecks in der Mitte, Titel: „Langeoog“? Das ist bei Anselm nicht drin.
Auf der Insel findet Anselm genau das richtige Ambiente für seine künstlerische Sinnenfreude. Gesellig wie er ist, teilt er seine permanente Hochstimmung gerne seinen Besuchern mit. Man braucht sich dazu gar nicht zwingend in einen Malkurs einzuschreiben; vielleicht möchte man nur ein wenig mit diesem glücklichen Menschen plaudern und sich von seiner guten Laune anstecken lassen. Das ist Anselm auch sehr recht.
Zu erreichen ist der Meister über Tel. 6371, Fax 1646, oder über seine ständige Ausstellung Le Paradis (Tel. 912900, Fax 912901). Er vermietet auch Ferienwohnungen.
Dies ist ein Auszug aus dem Buch:
Langeoog
70 Fotos, 8 detaillierte Karten, 15 interessante Exkurse, Register, Griffmarken, 192 Seiten weitere Informationen ->
3. Auflage 2006
10.50 Euro
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