Das Tacheles in der Oranienburger Straße, Berlin
Auf der anderen Straßenseite, zur Friedrichstraße hin, erhebt sich die allenthalben bekannte Künstlerruine Tacheles. Das 1908/09 von Franz Ahrens gebaute Passagen-Kaufhaus nahm mit 14 Eingängen, 9 Höfen und 10 Treppenhäusern einst das gesamte Karree Oranienburger 53-57/
Friedrichstraße 110-112 ein.
Ab 1928 diente es der AEG als "Haus der Technik" (Ende der 30er-Jahre wurde von hier die erste Fernsehübertragung der Welt ausgestrahlt) und NS-Dienststellen quartierten sich in den Gebäudekomplex ein. Im Krieg wurde er völlig zerbombt. Die Sprengung der verbliebenen traurigen Ruine verhinderten Besetzer 1990 zu einem Zeitpunkt, als schon die Bäumchen aus ihr hervor wuchsen. Sie richteten in den zugigen, damals teils wand-, decken- und/oder bodenlosen Räumlichkeiten das internationale, alternative Kulturkampfprojekt "Tacheles" (jiddisch "Klartext") ein. Mit dem neuen Besitzer, der Kölner Fundus-Gruppe, einigten sich 1998 die mehr als 50 Künstler im Haus nach jahrelangem Streit über eine weitere Nutzung. So blieb ihnen die Kulturruine bei einer monatlichen symbolischen Miete von 0,51 Euro erhalten. Rundherum wird der Investor auf dem Areal 40 Neubauten errichten. Im Haus selbst sind neben zahlreichen Ateliers unter anderem mehrere Galerien, ein Programmkino sowie die gebührlich trashige Bier- und Konzertlokalität Zapata untergebracht.
Dies ist ein Auszug aus dem Buch:
Berlin
Über 120 Fotos, 26 Seiten Stadtatlas, Register, Griffmarken, 360 Seiten weitere Informationen ->
7. Auflage 2008
12.80 Euro
Anzeige

